Duane Graves über seinen Film:
Wie ist die Idee zu Up Syndrome entstanden?
René und ich sind zusammen in San Antonio aufgewachsen. Wir haben als Kinder zusammen Videofilme gemacht, weil René der einzige in der Nachbarschaft war, der mit mir zusammengearbeitet und nicht meine Kamera gestohlen hat. Über die Jahre wurden die Aufnahmen dokumentarischer, weil ich wichtige Ereignisse in seinem Leben gefilmt habe. Die Idee wurde vor langer Zeit gesät. Ich wußte, wenn ich ein ehrliches 80minütiges Portrait von René machen könnte, dann könnte ich alle an meinem Freund teilhaben lassen.
Was war Ihre Rolle während der Entstehung des Filmes?
René zeigt ein bestimmtes Verhalten in Gegenwart seiner engsten Freunde. Ich mußte alle Rollen übernehmen, weil die Anwesenheit eines kleinen Teams zusätzlich zu meiner Person nicht dasselbe gewesen wäre. René hätte sich dann nicht so geöffnet und nicht so unbefangen seine Gedanken vor der Kamera mitgeteilt. Er ist zwar nicht scheu vor der Kamera, aber er verstummt in Anwesenheit Fremder. So mußte ich, so gut es ging, an alles denken, bevor ich den Aufnahmeknopf gedrückt habe. Ich habe viel vermasselt - im wahren Leben kann man bestimmten Ereignisse nicht für die Kamera wiederholen. Deshalb habe ich auf DV gedreht. Wenn man genug Material dreht, findet man den Film.
Was war das Schwierigste an dem ganzen Prozeß?
An alles gleichzeitig denken zu müssen. Ich hatte eine schöne Interviewkulisse gefunden oder das Licht gut hingebekommen und René hatte sich geöffnet, nur um festzustellen, daß das Mikro aus war oder daß ich dagegen gestossen habe. Außerdem ist René ein wenig schwerhörig, so daß ich mich oft wiederholen mußte. Ich guckte weg und verpaßte dadurch subtile Kleinigkeiten.
Wie hoch war das Budget?
Das Budget läßt sich nicht exakt bestimmen. Ich habe eine ganze Sammlung von “I Love Lucy” Folgen auf 16mm, die mein Vater in einem Müllcontainer gefunden hatte, für $ 4.000 über Ebay verkauft und damit eine neue Ausrüstung gekauft. Ich habe den Großteil der Kassetten gekauft und René verpflegt. Meine Eltern haben auch viel beigesteuert. René hat mir Kassetten zum Geburtstag geschenkt, und Freunde haben Geld gegeben, nachdem ich ihnen eine Rohfassung vorgeführt hatte. Das Geld kam über einen so ausgedehnten Zeitraum und von so vielen Quellen, daß ich darüber nicht Buch geführt habe.
Wie haben Freunde und Familie auf den Film reagiert?
Ich habe den Film dem Großteil meiner Freunde und Familie gezeigt. Ich kann mich nicht mit “Der Film war sehr gut.” zufriedengeben, sondern bohre nach, weil sie sonst glauben, daß sie den Film mögen müssen, sonst wäre ich niedergeschmettert. Alle, die René kennen, empfanden den Film als treffendes Portrait. Renés Familie lachte und war ruhig an all den richtigen Stellen. Es war mir wichtig, daß sie den Film gut finden.
Was erhoffen Sie sich von Up Syndrome?
Daß der Zuschauer sich wünscht, einen Freund wie René zu haben. Egal welche Laune ich habe, René ist immer in der Lage, mich aufzuheitern, und egal, was ihm widerfährt, schaltet er sehr schnell wieder auf Glücksmodus. Das hat mich immer sehr beeindruckt. Oft wissen Menschen nicht, wie sie mit ihm umgehen sollen. Sie können nicht einschätzen, was er versteht oder wie sie etwas formulieren sollen. Dann sprechen sie in Babysprache zu ihm oder behandeln ihn wie ein Kleinkind, das macht René recht sauer. Sie fühlen sich in seiner Gegenwart unwohl. Dieser Film soll das Unwohlsein in eine andere Einstellung verwandeln. Ich hatte nicht den Anspruch, über Down Syndrom aufzuklären, sondern wollte nur ein aufrichtiges, intimes Portrait zeichnen, das niemals kitschig oder herablassend wirkt.
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